Shockheaded Peter
Heidelberg [ENA] Die Aufführung Shockheaded Peter ist eine Junk-Oper nach Motiven aus "Der Struwwelpeter" von Dr. Heinrich Hoffmann und wurde von Phelim McDermott / Julian Crouch / Martyn Jacques neu interpretiert. Was ist das für eine Horror-Geschichte, wo zwei Erwachsene dem Wahnsinn verfallen und alle
Minderjährigen dahingemetzelt werden. Alle Kinder und jugendlichen Helden dieses Stücks werden entweder vom Hunde zerfleischt, lebendig verbrannt, von den Eltern erschlagen, zu Tode gehungert, oder ertrinken, werden in Teile geschnitten und erstickt. Lebensgroße Hasen ballern Jäger über den Haufen und ein schwarzfarbiges Kind wird brutal zusammengeprügelt. Da kommt uns doch manches aus der Tagespresse bekannt vor. Was inhaltlich nach einem ganz üblen Film klingt, ist kein Massaker Film.
Es war natürlich in der Originalversion einmal Deutschlands beliebtestes Lese Werk für uns Kinder gewesen: Schließlich geht es um das Werk, welches Heinrich Hoffmann persönlich und an angemessener Kinderliteratur Mitte des 19.Jahrhunderts für seine Kleinen geschrieben hatte. Im Jahr 1845 erschien das Buch zum ersten Mal im Druck unter dem Titel „Drollige Geschichten und lustige Bilder für Kinder von 3–6 Jahren. Ab 1847 hieß es kurz und prägnant: „Struwwelpeter“
Jener Bilderbuch-Schocker wurde in unzählige Weltsprachen übersetzt und machte im Jahre 1997 auch vor der britischen Kultband „The Tiger Lillies“ nicht halt. Durch den typisch schwarzhumorigen wie Engländer nun einmal sind, gab man noch einen drauf man ließ aber das Basiswerk fast unberührt. Das Stück ist in eine Art Gesang, durchmischt mit Zirkusmusik, verschiedenen Anklängen, Reminiszenzen an Tom Waits und einer Beggars-Opera, recht zynisch vertont. 1998 wurde es in London von Phelim McDermott & Julian Crouch herausgebracht und wurde nach der Uraufführung ein echter Welterfolg. Die Musik ist eine kuriose Mischung, mal laut und aggressiv, mal einfühlsam, immer temporeich mit viel rhythmischem und melodisch-harmonischem Witz.
Zusammengehalten wird die Geschichte durch einen Conférencier, der im Zwiegespräch mit dem Publikum und im Stile eines freigeistigen durch das Stück führt. Das Spiel im Spiel auf der kleinen überschaubaren Bühne ist ganz im Sinne des Vorhangtheaters eingefädelt – es dominieren weder pyrotechnische Effekte, noch sonstiger Technik-Schnickschnack, wie an anderen Bühnen – sondern die Geschichte kommt kammermusikalisch daher und lebt vom Zauber der Darsteller und der Kostüme bzw. einfacher Theatereffekte.
Brillant und geradezu darstellerisch artistisch mimen die Schauspieler, welches die Rahmenhandlung absteckt, in der die Eltern zunehmend zu Opfern ihrer eigenen Erziehungsmethoden werden. Künstlerisch steht ein Riesenteam hinter dieser gelungenen Produktion, die im kleinen Rahmen großes Theater bietet. Absolut empfehlenswert, auch als schön schwarzhumoriger Familienabend mit den Kindern. Natürlich ist diese Aufführung nichts für 3-6 Jährige Kinder wobei das Orginalbuch auch nicht die optimale Pädagogik für 3-6-jährige ist. Großartig gemacht, künstlerisch perfekt und gesanglich klasse! Neunzig sehr unterhaltsam kurzweilige Minuten




















































