Mittwoch, 22.08.2018 05:21 Uhr

Israel am Ziel - Europa am Scheideweg?

Verantwortlicher Autor: Tamás György Morvay Jerusalem, 13.05.2018, 12:17 Uhr
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Jerusalem [ENA] Heute ist Jerusalem-Tag, der im hebräischen Kalender die Wiedervereinigung der geteilten Stadt, im Jahre 1967, markiert. Heuer ist das Ereignis, ansonsten hauptsächlich durch rechtsgerichtete Juden begangen, die mit Fahnen vom Löwen-Tor bis zur Klagemauer marschieren, besonders geladen: auf ihn folgt Morgen die feierliche Verlegung der US-Botschaft, am 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung des modernen Israel.

Als wäre all dies nicht schon genug, um die Herzen höher schlagen zu lassen, gewann mit der sympathischen jungen Sängerin Netta Barzilai letzte Nacht auch noch Israel überzeugend den Eurovision Song Contest. Unmittelbare Folge dieses Sieges: der Wettbewerb wird im kommenden Jahr – zum 4. Male übrigens – in der israelischen Hauptstadt ausgetragen werden. Und als Barzilai vor einem Millionenpublikum die emotionalen Worte verkündete «nächstes Jahr in Jerusalem", war es auch das sichtbare Zeichen des Sieges über die im Vorfeld aktive Boykottbewegung gegen den jüdischen Staat, die in diesem politisch geladenen Wettstreit allen Ernstes zu demonstrativen Null Punkten für Israel aufrief.

Für Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, an dessen Stuhl seine politischen Gegner genauso unablässig wie erfolglos sägen, läuft es marketing-technisch im Moment ausgezeichnet: aktuellen Umfragen zufolge bekäme der von ihm geführte Likud mehr als ¼ aller Parlamentssitze, weit vor allen anderen Parteien. «King Bibi» ist damit weiterhin der einzige Politiker, dem die israelischen Wähler zutrauen, das Land im nach wie vor feindseligen Umfeld führen zu können. Gerade jetzt, als die in Gaza herrschende Hamas zur Erstürmung der Grenzanlagen aufruft. Und gerade jetzt, als die israelische Armee innert Monatsfrist den 9. Terrortunnel offengelegt und zerstört hat.

Und wenn Morgen um 14:30 Uhr der amerikanische Botschafter in einer feierlichen Zeremonie im Westteil der Stadt am Gebäude des Generalkonsulates seines Landes die Botschafts-Insignien enthüllt, wird für viele Israelis und für unzählige Juden in aller Welt damit ein weiterer Traum in Erfüllung gehen. Denn eines ist sicher: es mag aus juristischer Sicht, unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten noch so viele gegenteilige Argumente geben, politisch hat dieser Schritt der «Anerkennung der Realität», wie sich der US-Präsident im vergangenen Dezember ausgedrückt hatte, enormes Gewicht. Schon haben mehrere südamerikanischen Länder erklärt, dem Schritt der USA folgen zu wollen.

Und auch wenn das offizielle Brüssel, die Europäische Union mehrheitlich durch Abwesenheit glänzen wird, bleibt unbestritten, dass die Europäer nicht mit einer Stimme sprechen. Das «neue Europa» - ein geflügeltes Wort aus der Zeit der Präsidentschaft von George W. Bush – hat vor wenigen Tagen eine Erklärung aus Brüssel verhindert, mit der die Aufkündigung des sog. «Iran-Deals» hätte kritisiert werden sollen. Frau Merkel, Herr Macron und auch Frau Mogherini täten gut daran, über die Bücher zu gehen. Denn, wie heisst es so schön: wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Der Zug hat den Bahnhof schon verlassen. Und damit rückt die Frage ins Rampenlicht, wofür Europa steht: Blutgeld oder Realitätssinn.

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