Staub, Licht und Vollgas – Muri an Pfingsten 2026
Muri (CH) [ENA] Ein Sonnentag, Vollgas und Schlamm in der Luft: Das Pfingstmotocross in Muri 2026 war ein Fest für die Sinne – und eine seltene Gelegenheit, Motocross hautnah zu erleben. Ein Bericht aus der Perspektive hinter dem Objektiv – mitten im Lärm, zwischen fliegenden Erdklumpen und fokussierten Blicken.
Schlamm, Kurven und jubelnde Kinder
Sie stehen keine zwei Meter von der Strecke entfernt, und warten. Warten auf den nächsten Fahrer, der mit Vollgas um die Kurve fegt – und sie in einer Wolke aus trockenem Schlamm einhüllt. Jedes Mal derselbe Jubel. Jedes Mal dieselbe Begeisterung. Keine Angst, kein Zögern. Nur pures, unverfälschtes Erleben. Das Gelände in Muri empfängt an diesem Pfingsttag mit praller Sonne. Die Hitze ist sofort zu spüren. Parkplätze gibt es noch mehr als genug. Die Zuschauer haben sich ihre Schattenplätze gesichert – unter Bäumen, neben Foodständen, entlang der Absperrungen. Das Rennen läuft bereits, aber das Leben rund um die Piste folgt seinem eigenen, ruhigen Rhythmus.
Um Bilder zu machen, die mehr sind als Momentaufnahmen, muss man die Strecke erst verstehen. Ich laufe einmal komplett um das Areal – ein stilles Ritual vor jedem Einsatz. Die Piste in Muri ist hügelig und verschlungen. Das viele Auf und Ab verschluckt weite Teile der Strecke; von kaum einem Punkt aus sieht man sie ganz. Das Licht steht hoch und hart. Schatten entstehen dort, wo man sie nicht erwartet. Gut für Kontraste, schwierig für gleichmässige Belichtung. Ich vermerke die besten Winkel, denke in Bildmomenten. Dann hole ich mir im Mediencontainer die gelbe Weste – und damit die Freiheit, die Strecke so nah zu erleben, wie es nur wenigen vergönnt ist.
Die Fahrer & das Chaos
Es sind viele Fahrer. Das Starterfeld ist breit, der Lärm konstant. Ein Motocross-Rennen klingt nach Maschinen – aber es fühlt sich an nach Kraft. Man spürt die Erschütterungen im Boden, wenn die Bikes über die Sprünge setzen. Der Schlamm ist trocken, aufgewirbelt, allgegenwärtig. Ich stelle mich ein, suche den Moment. Ein Fahrer, der in der Kurve tief liegt. Eine Silhouette gegen das harte Mittagslicht. Es entstehen viele Bilder an diesem Tag. Manche technisch makellos, andere mit genau dem kleinen Fehler, der sie lebendig macht. Motocross lässt sich nicht vollständig kontrollieren. Das Chaos gehört dazu. Und manchmal ist es genau das, was ein Bild aus der Masse heraushebt.
Wenn die Zeit kurz stillsteht
Es gibt Momente, in denen die Zeit kurz stillzustehen scheint. Wenn ein Fahrer mit Vollgas auf den Absprung zufährt, die Maschine unter ihm zusammengedrückt wird und dann – für einen Herzschlag – alles stumm ist. Kein Motorengeräusch. Nur Luft. Die Sprünge in Muri gehören zu diesen Momenten. Die Bikes fliegen weit, manche Fahrer hoch genug, um den Horizont kurz zu berühren. Der Aufprall kommt hart und präzise, die Fahrt geht weiter, als wäre nichts gewesen. Durch das Objektiv betrachtet, wird aus diesem flüchtigen Bruchteil einer Sekunde ein Bild, das bleibt. Es braucht kein Publikumsrauschen, keinen Kommentator. Der Sprung spricht für sich. Genau das ist Motocross.
Zwischen den Rennen
Zwischen den Läufen kehrt kurz Stille ein. Zehn Minuten Pause – für die Strecke, die wieder aufbereitet wird, und für die Menschen, die sich kurz erholen. An den Ständen entstehen Gespräche über Bikes, Technik und Renntaktik. Die Szene unter sich. Was an diesem Tag auffällt und fehlt, ist der Jubel der Menge. Die Fahrer kämpfen, die Motoren heulen – aber laut gefeiert wird kaum. Ob es an der Hitze liegt, an der Weitläufigkeit des Areals oder daran, wie Schweizer Motorsport-Fans ihre Begeisterung zeigen – offen bleibt es. Die Energie ist vorhanden, sie liegt förmlich in der Luft. Sie entlädt sich nur nicht laut. Das macht den Tag nicht weniger besonders. Aber es ist ein Detail, das bleibt.
Einordnung / Was Muri bedeutet
Was Muri auszeichnet, geht über den Renntag hinaus. Das Pfingstmotocross gehört zu den bestdotierten Eintagesrennen im europäischen Motocross. Bis zu 12'000 Schweizer Franken Preisgeld in der MX1-Klasse, ausbezahlt bis auf Rang 20 – ein Konzept, das Kämpfe im Mittelfeld plötzlich finanziell spürbar macht. Wer beide Läufe gewinnt, kann an einem einzigen Tag mehr verdienen als für einen kompletten Saison-Titel in der ADAC MX Masters. Kein Marketingversprechen. Echter Sport, ehrliches Geld. Namen wie Pit Beirer und Ryan Hughes standen früher auf diesem Startfeld. 2026 kamen wieder internationale Fahrer. Das Starterfeld war stark. Das Niveau hoch. Muri fährt seinen eigenen Kurs – und das merkt man.
MX1 - Koch schlägt Tonus im Gleichstand
Am Ende eines langen Renntages entschied Tom Koch aus Bad Sulza das Gesamtklassement der MX1 für sich. Der Deutsche auf KTM gewann den zweiten Lauf und sicherte sich mit 47 Punkten knapp vor dem einheimischen Lokalmatador Arnaud Tonus (Les Rasses / Yamaha), der ebenfalls auf 47 Punkte kam, aber mit seinem Laufsieg im ersten Heat hinter Koch klassiert wurde. Rang drei ging an den Italiener Yuri Quarti (Husqvarna) mit 36 Punkten. Vierter wurde der Franzose Jimmy Clochet (Honda / MX Academy Honda Schweiz) mit 33 Zählern.
MX2 - Pietre holt den Tagessieg
In der MX2-Klasse setzte sich Jules Pietre aus Frankreich auf seiner Fantic mit konstantem Racing durch – zwei zweite Plätze, total 44 Punkte, Tagessieg. Knapp dahinter klassierte sich der Schweizer Samuel Oechslin aus Alpthal (KTM), der Lauf 1 gewann und mit 43 Punkten auf Rang zwei landete. Lyonel Reichl aus Frümsen (KTM), Sieger des zweiten Laufs, komplettierte das Podest mit 39 Punkten. Platz vier sicherte sich Andrea Zanotti aus San Marino (Husqvarna) mit 38 Punkten.
MX Sidecar - Heinzer vs Buob, ein Duell über zwei Läufe
Bei den Seitenwagen lieferten sich die Gespanne einen harten Zweikampf über beide Läufe. Das Duo Marco und Remo Heinzer aus Illgau (VMC KTM) holte sich mit je einem zweiten Platz und insgesamt 44 Punkten den Tagessieg. Sven und Marc Buob aus Schmiedrued (VMC Husqvarna) sicherten sich durch ihren Sieg im zweiten Lauf mit 43 Punkten Rang zwei. Das niederländische Gespann Julian Veldman und Rodolphe Lebreton (Almelo) fuhr mit zwei dritten Plätzen und 40 Punkten auf Rang drei. Auf Platz vier: Nevio und Luca Käser aus Schweizersholz (WSP Mega) mit 34 Zählern.




















































