Ausstellung: Anna Hulačová „Abundantia“
Frankfurt am Main [ENA] Im Rahmen des Gastlandauftritts von Tschechien auf der Frankfurter Buchmesse 2026 präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt die erste Einzelausstellung von Anna Hulačová in Deutschland. Die Ausstellung „Abundantia“ ist vom 1. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027 zu sehen.
Anna Hulačová ist ausgebildet als Holzbildhauerin. Lindenholz, Beton, Keramik und Bienenwaben sind die von ihr verwendeten Materialien. In einem Kunstwerk kommen in Holz geschnitzte Skulpturen, in Keramik gearbeitete Objekte, schwere Betonfiguren als Sockel und Bienenwaben in Köpfen vor. Die Kunstwerke der Ausstellung zeigen das Zusammenspiel von Mensch, Natur und Technologie in der landwirtschaftlichen Produktion. Anna Hulačová kommt aus der Landwirtschaft. Sie lernte die Enteignung, die Kollektivierung der Betriebe, die Monokulturen und die Industrialisierung der Landwirtschaft kennen und wendet sich gegen die Verarmung der Diversität in unserer Natur.
Ihre besondere Leidenschaft entwickelte sie für die Bienen. Sie besitzt acht Bienenvölker, die sie als Wabenproduzenten für ihre Kunstwerke einsetzt. So entstehen Betonskulpturen mit Bienenwaben im Kopf oder in der Bauchhöhle. Der Duft und die Weichheit des Wachses verbinden sich mit dem schroffen und kalten Beton. In der Ausstellung ist eine Fließbandproduktion von Fruchtsäften installiert. Die Frauen kümmern sich arbeitsteilig um die Verarbeitung von Früchten. Sie hat bewusst diese Szenerie ausgewählt, da die Frauenarbeit in der Lebensmittel-erzeugenden und Lebensmittel-verarbeitenden Industrie dominiert.
Die ökologisch-feministische Sicht auf die Transformation in der Landwirtschaft wird durch die Referenz auf die Bienen verstärkt. Das Bienenvolk hat viele mythische Bedeutungen. Es ist fleißig, kommuniziert zielführend, regiert sich selbst und produziert lebenserhaltenden Honig. Alien Bees – Außerirdische Bienen – bezeichnet Anna Hulačová die von ihr geschaffenen Kreaturen.
Sie sagt dazu „Dieses Konzept basiert auf der Idee, dass Bienen sich in menschliche Form verwandeln und humanoide Merkmale annehmen. Diese Wesen haben feminine Eigenschaften und sind von der minoischen Mythologie Kretas über Nymphen angeregt – Frauen, die sich in Bienen verwandeln. Ihr Aussehen ist aber auch von Science Fiktion Verschwörungstheorien aus den 1990er-Jahren inspiriert, als nach der Revolution in Tschechien – damals Tschechoslowakei – Vorstellungen kursierten, nach denen Außerirdische eine humanoide, teils insektenähnliche Form haben.“
Die Kunst von Anna Hulačová bringt den Surrealismus, den Sozialistischen Realismus und die tschechische Volkskunst zusammen. Diese Elemente können in allen ausgestellten Werken entdeckt werden. In einer Ecke des Raumes stehen Arbeiterinnen neben den Kühen und erzeugen Milch. Die stilvoll bekleideten Arbeiterinnen könnten aus Bildern des Sozialistischen Realismus stammen. Die figurativen Skulpturen von Anna Hulačová füllen die Halle 2 in zwei Sälen der Schirn Kunsthalle.
Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf die Figur der Abundantia, die in der römischen Mythologie für Wohlstand und Überfluss stand. Anna Hulačová wurde 1984 in Sušice, Tschechoslowakei, heute Tschechische Republik, geboren. Sie absolvierte ein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in Prag. Ausstellungsorte ihrer Kunst: u.a. das Centre Pompidou in Paris, die Fondation Louis Vuitton in Paris, der Aichi Triennale 2019 in Japan, die Nationalgalerie Prag, der Baltischen Triennale 13 und der 22. Videobrasil Biennial in São Paulo.




















































