Chalisée Naamani bespielt die Kunsthalle Wien
Wien [ENA] "Kleider machen Leute" ist ein altes deutsches Sprichwort, das aber nicht annähernd den "explosiven" Charakter der Mode, der Kleidung oder Stoffe ausdrückt, die wie eine zweite Haut den Menschen nicht nur bedecken, sondern ihm eine neue Identität geben möchten, die ihn erst zu dem machen, was er oder sie sein darf, sein muss oder sein soll. Eine lange, unendliche Geschichte der Mode, die sich immer neu erfindet.
Und sich dabei in unzähligen Variationen schillernd darstellt, sich sucht und doch nicht findet und in dem unglücklichen Zwang die Scham zu bedecken in tolldreisten Sprüngen versucht das Leben zu meistern. Die französisch-iranische Künstlerin Chalisée Naamani eröffnet uns in ihrer Ausstellung "Octogone" in der Kunsthalle Wien eine fulminante künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Kleidung und Textilarbeiten, die wie Skulpturen als "Bildgewänder" eine Collage von Bildern, Stoffen und Texten schaffen. In ihrer kulturellen Zerrissenheit versteht die Künstlerin Mode grundsätzlich politisch und verknüpft dabei Fragen von Form, Funktion und Ästhetik mit Macht und kultureller Bedeutung.
Naamani entwirft Kleidungsstücke in der Bildsprache internationaler Protestbewegungen, wobei sie sich unter anderem auch auf die Proteste gegen die Regierung der Islamischen Republik Iran mit der Initiative "Woman, Life, Freedom" bezieht, die 2022 als Reaktion auf den Tod von Mahaa Amini in einem Gefängnis der Sittenpolizei entstand, die die gesetzlich vorgesehene Verschleierung der Frauen streng bewacht. In ihrer neuen Werkreihe setzt sich Naamani auch mit lokalen kulturellen Entwicklungen auseinander und fragt inwieweit traditionelle und touristische Kleidungsstücke wie Dirndl und Lederhosen in ihrer Gestaltung geschlechtsspezifische Ideale affimieren und inwieweit sie die körperliche Autonomie einschränken.




















































