Montag, 05.10.2026 13:40 Uhr

Zwischen Wind, Wellen und venezianischem Licht

Verantwortlicher Autor: Gerd Kaap Izola/Venedig, 05.10.2026, 12:12 Uhr
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Auf dem Meer
Auf dem Meer  Bild: Gerd Kaap (privat)

Izola/Venedig [ENA] Mit C&U Segelreisen durch die Adria, ein Törn von Izola über Rovinj und Pula bis nach Venedig. Eine Segelreise mit »C & U Segelreisen« wurde zu einer Begegnung mit der Adria, bei der seemännische Professionalität und genussvolles Reisen auf bemerkenswerte Weise zusammenfanden.

Izola liegt noch im Schutz des Morgens, als die Reise beginnt. Der slowenische Hafen ist Ausgangs- und Zielpunkt eines Segeltörns, der durch drei Länder führen und die Adria aus sehr unterschiedlichen Seiten zeigen wird. Vor uns liegen die Küsten Sloweniens, Kroatiens und Italiens, historische Hafenstädte, eine Nacht auf offener See und am Ende jene Lagune, in der Venedig seit Jahrhunderten zwischen Wasser, Stein und Legende zu schweben scheint.

Organisiert wird die Reise von der C & U GmbH auf ihrem Schiff »Lemontree«, im Internet unter www.mein-segelurlaub.de zu finden. Neben den Skippern Daniel und Kerstin waren auf dieser Reise 6 weitere Mitsegler an Bord. Bereits beim ersten Betreten der Yacht zeigt sich, dass hier nichts dem Zufall überlassen wird. Das Schiff ist gepflegt, technisch auf dem neuesten Stand und mit umfangreicher Sicherheitsausrüstung versehen. Entscheidend ist jedoch nicht allein, dass diese Ausrüstung vorhanden ist.

Skipper Daniel erklärt ausführlich, wo sich Rettungsmittel befinden, wie sie eingesetzt werden und was im Ernstfall zu tun wäre. Sicherheit wird nicht als Pflichtübung abgehandelt, sondern als selbstverständlicher Bestandteil guter Seemannschaft vermittelt. Der Tag an Bord beginnt mit einem Blick auf die Wetterlage. Daniel erläutert Wind, mögliche Veränderungen und die geplante Route. Auch die bevorstehenden Manöver werden besprochen. Beim An- und Ablegen, beim Setzen oder Reffen der Segel erhält jedes Crewmitglied eine konkrete Aufgabe.

Niemand muss bereits als geborener Seebär an Bord kommen. Zuhören, Mitdenken und gelegentlich zur richtigen Zeit an der richtigen Leine ziehen helfen jedoch ungemein. Dann lösen sich die Leinen, Izola bleibt langsam hinter uns zurück und der Alltag verliert bereits nach den ersten Seemeilen seine gewohnte Bedeutung. Durch den »Fjord der Adria« nach Rovinj Wir segeln zu Beginn des Törns südwärts, entlang der istrischen Küste und einer ersten Übernachtung in einer Ankerbucht südlich von Novirad. Weiter geht die Reise am darauffolgenden Tag Richtung Rovinj.

Zu den landschaftlichen Höhepunkten gehört der Limski-Kanal, der häufig als »Fjord der Adria« bezeichnet wird. Geologisch ist er zwar kein echter Fjord, doch wer zwischen den steil aufragenden, bewaldeten Hängen in diese schmale Meeresbucht hineinfährt, versteht sofort, warum sich diese Bezeichnung durchgesetzt hat. Das Wasser wirkt ruhiger, die Ufer rücken näher zusammen und für einen Augenblick scheint selbst der Wind leiser zu werden. Ziel dieser Etappe ist Rovinj.

Die Altstadt erhebt sich auf ihrer Halbinsel über dem Meer, dicht gedrängt stehen die Häuser am Ufer, darüber wacht die Kirche der heiligen Euphemia. Vom Wasser aus nähert man sich einer Stadt anders als über eine Straße. Es gibt keine Ortsschilder und keine Ampeln, nur eine Silhouette, die langsam deutlicher wird, während die Yacht ihren Kurs hält. Vorbei an Brijuni bis nach Pula Einen Tag später führt die Route von Rovinj weiter nach Süden. Vorbei geht es an den Brijuni-Inseln, heute Nationalpark und einst Residenz des jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito. Die Inselgruppe liegt grün im Blau der Adria und trägt bis heute Spuren jener Zeit, in der hier Staatsgäste, Künstler und internationale Persönlichkeiten empfangen wurden.

Unser Tagesziel ist Pula. Die Hafenstadt verbindet die sichtbaren Zeugnisse der Antike mit dem Alltag einer modernen Küstenstadt. Besonders das große römische Amphitheater erinnert daran, dass diese Region schon lange vor dem heutigen Grenzverlauf ein bedeutender Teil des mediterranen Kulturraums war. Doch Pula ist nicht nur ein weiterer Hafen auf unserer Route. Hier beginnt die Vorbereitung auf eine der eindrucksvollsten Etappen der Reise: die nächtliche Überfahrt nach Italien. Dafür ist es notwendig, den Rhythmus der Wachen mit den jeweiligen Wachzeiten zu planen. Die Nachtfahrt begann um 00:00 Uhr mit einem Wachrhythmus von jeweils 2 Stunden, nach dem sich die Crewmitglieder ablösten.

Eine Nacht zwischen Himmel und Meer Nachtfahrten besitzen ihre eigene Wirklichkeit. Die Küstenlichter werden kleiner, Konturen verschwinden und das Meer verwandelt sich in eine dunkle, bewegte Fläche. Über der Yacht spannt sich der Himmel, während Instrumente, Positionslichter und der festgelegte Wachrhythmus den Kurs durch die Nacht bestimmen. Gerade in solchen Stunden zeigt sich, wie wertvoll eine ruhige und erfahrene Schiffsführung ist. Die Abläufe sind klar, die Aufgaben verteilt und jeder weiß, was zu tun ist. Abenteuer bedeutet hier nicht Leichtsinn.

Es entsteht vielmehr aus dem Vertrauen in die Yacht, die Crew und die seemännische Erfahrung der Skipper. Am folgenden Morgen erreichen wir Chioggia, am Südrand der Lagune von Venedig. Nach der Dunkelheit der Nachtfahrt kehren Farben und Konturen zurück. Häuser, Boote und Kanäle empfangen uns und mit ihnen dieses besondere italienische Lebensgefühl, das selbst am frühen Morgen den Eindruck erweckt, der Tag habe schon längst mit einem Espresso begonnen.

Venedig – vom Meer aus erreicht 
 Von Chioggia führt die Reise weiter durch die Lagunen bis nach Venedig, wo uns Skipper Daniel während einer kleinen Rundfahrt das Panorama der Stadt von der Seeseite aus zeigt und den eindrucksvollen, lebendigen und quirligen Schiffsverkehr meistert. Von unserem Liegeplatz in St. Elena lässt sich das Zentrum von Venedig mittels der schnellen Vaporettos gut erreichen. Zwei Tage bleiben uns für eine ausführliche Erkundung der Stadt. Venedig über den Wasserweg zu erreichen, verändert den Blick auf diesen Ort. Die Lagune ist nicht lediglich eine Kulisse, sondern der eigentliche Zugang zu einer Stadt, deren Geschichte ohne das Meer kaum denkbar wäre.

Gassen, Brücken und Plätze öffnen immer neue Perspektiven. Hinter den großen Sehenswürdigkeiten beginnt ein anderes Venedig. Da ist das venezianische Licht, das durch die Reflexion des Wassers entsteht und die Decken und Fresken hinter den hohen Fenstern der Palazzi beleuchtet, die stilleren Wege, verwitterte Fassaden, kleine Innenhöfe und Kanäle, auf denen das Licht fortwährend neue Bilder zeichnet. Die Stadt lässt sich nicht einfach besichtigen. Man muss sich auf diese Stadt einlassen, darf Umwege gehen und gelegentlich akzeptieren, dass selbst der beste Orientierungssinn zwischen zwei Brücken eine kurze schöpferische Pause einlegt. Nach zwei Tagen heißt es erneut: Leinen los!

Was Kerstin aus der Pantry zaubert Eine Segelreise lebt nicht allein von Wind, Kursen und Hafenmanövern. Sie lebt ebenso von den gemeinsamen Stunden an Bord und vom Essen. In diesem Punkt setzt Skipperin Kerstin besondere Maßstäbe. Da sie früher ein Kochstudio leitete, organisiert sie die vollständige Verpflegung mit Erfahrung, Kreativität und einem sicheren Gespür für gute Zutaten. Was aus einer Pantry einer Segelyacht auf den Tisch kommt, ist ein kulinarisches Erlebnis. Kerstin beweist, dass eine kleine Bordküche keineswegs kleine Ideen hervorbringen muss.

Mitunter entsteht der Eindruck, man sei in einem schwimmenden Restaurant gelandet, bei dem lediglich der Fußboden gelegentlich daran erinnert, dass die Adria an der Gestaltung des Abends mitwirkt. Diese Verbindung aus Segeln und Genuss prägt die gesamte Reise. Nach einem Tag auf dem Wasser gemeinsam zu essen, die Erlebnisse noch einmal vorbeiziehen zu lassen und dabei bereits über die nächste Etappe zu sprechen, gehört zu jenen Augenblicken, die länger in Erinnerung bleiben als manches spektakuläre Fotomotiv.

Über Grado zurück nach Izola Am vorletzten Tag der Reise legen wir im Stadthafen von Grado an. Dort wartet, neben der Atmosphäre des italienischen Küstenortes, eine Eisbar, deren Besuch sich als durchaus ernst zu nehmender Programmpunkt erweist. Manchmal besteht maritime Navigation eben auch darin, den kürzesten Weg zu einem ausgezeichneten Eis zu finden. Ein Badestopp schenkt noch einmal jene unmittelbare Nähe zum Meer, die während des gesamten Törns spürbar war. Danach nimmt die Yacht Kurs auf Izola. Mit jeder Seemeile nähert sich der Ausgangshafen, doch die Reise endet nicht einfach dort, wo sie begonnen hat. Zu viele Bilder, Eindrücke und Erfahrungen sind hinzugekommen.

»C & U Segelreisen GmbH« verbindet auf diesem Törn eine exzellente Organisation mit fundierter Seemannschaft, konsequenter Sicherheit, aktiver Beteiligung der Mitsegler und einer außergewöhnlich guten Verpflegung. Kerstin und Daniel bringen mehr als nur eine Yacht von Hafen zu Hafen. Sie schaffen einen Rahmen, in dem Menschen das Segeln kennenlernen, Verantwortung übernehmen, Landschaften und Städte entdecken und zugleich die Freiheit des Meeres genießen können.

Es bleiben die Gespräche an Bord, das Geräusch der Segel, die Dunkelheit der Nachtfahrt, das erste Licht des Morgens und die Erkenntnis, dass eine gute Reise nicht allein daran gemessen werden kann, wie viele Seemeilen zurückgelegt wurden. Entscheidend ist, was zwischen Ausgangs- und Zielhafen mit den Menschen geschieht. Hinweis: Dieser Text stellt keine bezahlte oder unbezahlte Werbung dar. Ebenso erfolgten keinerlei Gegenleistungen gleich welcher Art. Der Autor hat diese Reise selbst unternommen und bezahlt. Der Artikel ist eine Meinung zur Reise und deren Organisation.

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